JohannesaLasco

Der polnische Reformator Johannes a Lasco; Stich von Philip Galle, 1572; Foto: Arianus

18.10.2017, 19:00 Uhr

Polen ohne Weihrauch? Oder wie die Reformation doch noch scheiterte

Deutsches Polen-Institut, Residenzschloss, Marktplatz 15, 64285 Darmstadt

Veranstalter: Deutsches Polen-Institut, Darmstadt

Ein Gesprächsabend zum Reformationsjubiläum, der den Blick auf die polnische Geschichte lenkt.

Mit Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg (Universität Gießen), Dr. Henning Jürgens (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz).

Moderation: Julia Röttjer M.A. (DPI)

Heute denken wir, Polen sei schon immer ein katholisches Land gewesen. Ein genauer Blick auf die Konfessionsgeschichte des Landes im 16. Jahrhundert zeichnet aber ein anderes Bild: Überall gewannen damals kirchenreformatorische Ideen an Boden. Den stärksten Einfluss übte der von Martin Luther etablierte Protestantismus aus. Vor allem das deutsche Bürgertum in den Städten West-und Nord-Polens übernahm die neue Konfession lutherischer Prägung. Der polnisch-litauische Adel öffnete sich hingegen zum großen Teil für die Ideen des Calvinismus, später gewann auch der Antitrinitarismus an Einfluss („Polnische Brüder“). Die Reformation in Polen ist mit den Ideen des Humanismus sowie der Entwicklung einer umfassenden Bildung und des polnischsprachigen Schrifttums, vor allem der religiösen und schöngeistigen Literatur, verbunden. Nach anfänglicher Unterdrückung wurden ab den 1570er Jahren den Anhängern der neuen Konfession die gleichen Rechte wie den Katholiken gewährt. Im Sinne dieser Toleranz gab der polnische König Städten wie Danzig, Elbing und Thorn das Recht, ihre kirchlichen Verhältnisse selbständig zu regeln. Ende des 16. Jh. befanden sich 40 Prozent aller Gemeinden im dem polnischen König unterstehenden Königlichen Preußen in protestantischer Hand, und in Großpolen gab es 142 lutherische Kirchen. Dass diese Entwicklung ein dramatisches Ende nahm, lag an der sich im 17. Jh. ausbreitenden Intoleranz der Gegenreformation, dem Verlust der eigenen Staatlichkeit im 18. Jh. und der infolge dessen romantisch verbrämten Auffassung von einer besonderen Verbindung der polnischen Ethnizität mit dem katholischen Glauben.
Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg ist Lehrstuhlinhaber für die Geschichte Ostmitteleuropas an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Dr. Henning Jürgens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz.
Julia Röttjer M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Polen-Institut Darmstadt.
www.deutsches-polen-institut.de