Eine Zeitenwende in den deutsch-polnischen Beziehungen? Die neue Rolle Polens in Europa nach dem 24. Februar 2022

Über das Projekt

In der Bundestagsrede am 27.02.2022 zur russischen Invasion in die Ukraine erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz: „Wir erleben eine Zeitenwende. [...] Die Welt danach wird nicht mehr dieselbe sein wie die Welt davor.“ Im Zentrum dieser tektonischen Verschiebungen stehen sowohl Deutschland als auch Polen. Polens neue Rolle in Europa formt sich auch im Kontext der russischen Aggression. Natürlich strebte Polen bereits lange zuvor danach, Einfluss auf die europäische Politik auszuüben (vgl. Östliche Partnerschaft, die Drei-Meere-Initiative, ein früh eingeleiteter Ausstieg aus der Energieabhängigkeit von Russland sowie die Aufrüstung des Militärs). Doch erst mit dem umfassenden Krieg Russlands in der Ukraine begann die Welt, insbesondere Deutschland, Polen mit anderen Augen zu sehen.

Unsere These lautet: Infolge der „Zeitenwende“ verändert sich Polens Rolle in Europa. Grund sind die inneren Veränderungen in Polen, die auch vor 2022 stattfanden, und die äußeren Faktoren, einschließlich der Situation in Deutschland. Das Scheitern der deutschen Ostpolitik wurde auch außerhalb Deutschlands offensichtlich und traf nicht nur in Polen auf Kritik. Dadurch verändert sich Deutschlands Rolle als Führungsmacht.

Diese Veränderungen wirken sich auf die gegenseitigen Beziehungen aus, die, trotz der Rhetorik über eine deutsch-polnische Partnerschaft, als eine Beziehung zwischen dem Lehrer Deutschland und dem Schüler Polen beschrieben werden. Wie kann die neue Dynamik diese Beziehungen umgestalten und wie sieht ihre neue Form aus? Wie beeinflusst diese Rekonfiguration Polens Rolle in Europa? Im Projekt werden wir diesen Veränderungsprozess in Echtzeit analysieren. Die neue Rolle Polens im Hinblick auf die Situation in Deutschland und in den bilateralen Beziehungen wird am Beispiel der Sicherheitspolitik im Kontext der Ostpolitik untersucht.

Die Forschungsfragen lauten u.a.: Wie wird aus deutscher Perspektive die sich verändernde Rolle Polens wahrgenommen? Wie wird in Polen der Wandel der eigenen Rolle betrachtet, und wie bewertet man die Veränderung der deutschen Politik angesichts der „Zeitenwende“? Hat sich in den deutsch-polnischen Beziehungen ein qualitativer Wandel vollzogen? Ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis weiterhin präsent?Das Projekt wird realisiert vom Deutschen Polen-Institut mit dem Jan-Nowak-Jeziorański-Kolleg für Osteuropa und der Technischen Universität in Chemnitz.

Zeitraum: 2026-2028

 Das Projekt wird aus Mitteln der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung gefördert im Rahmen der Sonderausschreibung: „,Epochenwende‘? Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und seine Auswirkungen auf Polen und Deutschland“

Das Team

Projektleitung:

Dr. Agnieszka Łada-Konefał, stv. Direktorin des DPIs
Dr. Iwona Reichardt, Jan-Nowak-Jeziorański-Kolleg für Osteuropa
Prof. Dr. Stefan Garsztecki, TU Chemnitz

Expertinnen und Experten:

Dr. Jakub Bornio, Institut für Europastudien der Universität Breslau, Jan-Nowak-Jeziorański-Kolleg für Osteuropa
Małgorzata Kopka-Piątek, Institut für öffentliche Angelegenheiten in Warschau
Bastian Sendhardt, wiss. Mitarbeiter des DPI in Berlin
Laurynas Vaičiūnas, Jan-Nowak-Jeziorański-Kolleg für Osteuropa

Gefördert von:

Ansprechpartner:

Dr. Agnieszka Łada-Konefał

06151 420211 lada@dpi-da.de