Machcewicz 2018

Band Nr. 5

Paweł Machcewicz: Der umkämpfte Krieg

Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Entstehung und Streit.

Inhalt

Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig war ein mutiger und historisch beispielloser Versuch, die Geschichte dieses Krieges tatsächlich aus globaler Perspektive darzustellen und die polnische Perspektive damit zu verbinden. Dieses Museum wurde von den polnischen Konservativen in seiner ursprünglichen Form zerstört, da es im Widerspruch zu ihrer nationalistischen Geschichtsdeutung steht. Paweł Machcewicz, Direktor und intellektueller Kopf dieses Unternehmens, wurde auf Weisung der polnischen Regierung entlassen. Er zeigt in seinem Buch eindrücklich, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Sprache zu finden, um den Zweiten Weltkrieg zu beschreiben, und welchen Widerständen er sich gegenüber sah. Dieses Buch deckt die Gräben auf, die nicht nur in Polen zwischen nationaler und universaler Erinnerungskultur bestehen.

Ulrich Herbert


Die Art und Weise, wie die kommenden Generationen von Polen sich selbst, die Demokratie und Europa sehen werden, hängt zumindest zu einem gewissen Grad davon ab, ob sie einen Zugang zur komplizierten Geschichte ihres Landes während des Zweiten Weltkriegs haben werden. Das erste vom Museum aufgegriffene Thema, der Zusammenbruch der Demokratie, könnte nicht dringender sein als heute. Die Präsentation des Krieges als weltumspannende Tragödie könnte nicht lehrreicher sein. Die Beseitigung des Museums ist ein Schlag gegen das globale Kulturerbe.

Timothy Snyder

 

 

Paweł Machcewicz (geb. 1966) ist Professor für Geschichte am Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Er hat viele Bücher über den Zweiten Weltkrieg, den Kommunismus und den Kalten Krieg geschrieben. Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig ist auf seine Anregung hin entstanden; zwischen 2008 und 2017 war er sein Direktor.

Inhaltsverzeichnis

Zur Einführung:
Ein Museum als Lehrstück – ein Museum als Warnung?
(Peter Oliver Loew, Julia Röttjer)

Paweł ist ein toter Mann

I              Die Anfänge

Es begann mit einem Artikel …
Ein Museum, aber was für eines?
»Desintegration der polnischen Nation«
Geschichtsmuseen – zwischen kollektiver Vorstellung und Politik

II             Wie das Museum entsteht

Die ersten Monate in der Kanzlei des Ministerpräsidenten
Die Anfänge des Danziger Teams
Architektur – Archäologie – Baustelle
Die Entstehung der Sammlungen und der Ausstellung
Der Programmbeirat – eine Fülle von Einsichten
Vom Projekt zur Ausstellung, und alles, was dazwischen war
Vor dem Sturm

III            Krieg

»Der polnische Standpunkt«
Minister Gliński kommt in der Nacht
Wettlauf mit der Zeit
Der Kulturausschuss des Senats – die Jagd auf die »Enzyklopädisten«
Die enttarnten Rezensenten
Stalingrad statt Blitzkrieg
Das Finale

Eine nicht abgeschlossene Geschichte

Bibliographie

Personenregister

Rezensionen

"W wydanej pod koniec zeszłego roku w Polsce publikacji Machcewicz opisuje kulisy swojego sporu z rządem PiS o kierownictwo i kształt muzeum, zakończonego zwolnieniem go ze stanowiska w kwietniu zeszłego roku. Na wieczorze autorskim w berlińskim ośrodku naukowym Centre Marc Bloch autor podkreślił, że niemieckie wydanie ukazało się w rekordowym czasie – pięć miesięcy po polskiej premierze książki."

Jacek Lepiarz, in: Deutsche Welle, 6.6.2018

 

"Über die Zeit von der ersten Idee des Museums bis hin zu seiner Absetzung als Direktor hat Paweł Machcewicz ein Buch geschrieben. (...) Die Geschichte des Danziger Museums hat viel mit Deutschland zu tun, nicht nur, weil nationalsozialistischer Terror während des Zweiten Weltkriegs einen Großteil der Ausstellung einnimmt. (...) 'Diese Geschichte ist universell. Was passiert ist, kann überall passieren', warnt Paweł Machcewicz".

Inga Barthels: Politischer Kampf um polnisches Kriegsmuseum. In: Der Tagesspiegel, 6.6.2018

 

"Paweł Machcewicz, der Gründer des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs, muss sich seit seiner Entlassung in verschiedenen Gerichtsverfahren verteidigen. (...) Wie es dazu kam, welche politischen, ideologischen, bürokratischen und finanziellen Hürden es aus seiner Sicht zu überwinden galt, kann man in Machcewiczs jüngstem Buch nachlesen, einem Rechenschaftsbericht für die Öffentlichkeit von über 200 Seiten. 'Der umkämpfte Krieg' heißt es auf Deutsch. Das klingt nach Tautologie, hat aber seinen tieferen Sinn. Denn der Zweite Weltkrieg ist der Dreh- und Angelpunkt nationalpolnischer Geschichtspolitik. Man kämpft um die Opferrolle Polens. Man kämpft hart – nicht erst seit dem Machtwechsel 2015."

Martin Sander: Abrechnung eines Historikers. In: Deutschlandfunk, 2.6.2018