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MARIA DĄBROWSKA Tagebücher

Inhalt

Ausgewählt und herausgegeben von Tadeusz Drewnowski.
Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler .
1989. 386 S. Ln. EUR 20,80 (3-518-40206-4).
Als Taschenbuch: 1996, st 2591, EUR 4,95 (3-518-39091-0).

Nach dem Tode Maria Dąbrowskas 1965 machte man eine Entdeckung, die einer literarischen Sensation in Polen gleichkam: 80 Notizbücher, ca. 9000 Seiten, waren mit Tagebucheintragungen aus über 50 Jahren gefüllt. Ein spannungsgeladener Reigen von Epochen - von der Wiedererstehung eines unabhängigen Polen bis zum "Tauwetter" nach 1956  spiegelt sich im persönlichen Leben und Erleben einer Schriftstellerin, die eine geschätzte und engagierte Teilnehmerin des öffentlichen Lebens in Polen war.
Maria Dąbrowska hat testamentarisch die vollständige Publikation der Tagebücher erst vierzig Jahre nach ihrem Tode gestattet, eine frühere Auswahlausgabe jedoch erlaubt. Aus der 1988 in Warschau erschienenen fünfbändigen polnischen Ausgabe ist die vorliegende Auswahl erstellt worden.

Maria Dąbrowska wurde 1889 in Russów bei Kalisch (Großpolen) geboren, war jedoch seit 1917 eng mit Warschau verbunden. Sie stammte aus einer verarmten Adelsfamilie, studierte neben Naturwissenschaften auch Soziologie und Philosophie in Lausanne und Brüssel, engagierte sich über Jahre in der Genossenschaftsbewegung und in der Volksbildung, um sich schließlich ab 1925 doch gänzlich dem Schreiben zu widmen. In der auch auf Deutsch vorliegenden Tetralogie Nächte und Tage (1932-1934) erfasst sie in einem epischenWurf den inneren und äußeren Wandel der polnischen Gesellschaft am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Erzählungen, Essays und Romane folgten. Maria Dąbrowska starb 1965.
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Inhaltsverzeichnis

8.10.1918. Dienstag
Ungewöhnliche Dinge geschehen, und Worte haben zu wenig Kraft, die Größe des Augenblicks auszudrücken. Vorgestern die Nachrichten von der Note Deutschlands und Österreichs an Wilson. Gestern die Nachricht von der Aufhebung der Okkupation. Heute Janusz Radziwiłłs Depesche von der Freilassung Pilsudskis. Und abends die Bekanntmachung des Staatsrates, daß endlich ein Vereintes und Unabhängiges Polen entsteht. Die Bekanntmachung löst den Sejm auf und beruft eine verfassunggebende Nationalversammlung. In Deutschland ein zur Hälfte sozialistisches Kabinett, die Revision der Brester Verträge wird geplant. Das sind so riesenhafte Dinge, daß die Leute nicht zu reagieren wagen. Eine große Stille macht sich unter den Menschen breit. Denn jedes Wort, das man sagt, wird, muß jetzt das Gewicht einer Tat haben und jede Tat das eines Umsturzes.
Ein Vereintes Polen.

Rezensionen

"All das fügt sich zum Selbstbildnis einer Frau zusammen, die politische Wachsamkeit mit intensivem Umgang mit Literatur Joseph Conrad und Thomas Mann waren ihre großen Vorbilder, aber auch mit Musik und Natur zu verbinden wußte."
Süddeutsche Zeitung