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Fragen und Antworten "Q&A"

Q: Warum soll des Beginns des deutschen Vernichtungskriegs im Osten am 1.9.2019 gedacht werden?
A: Weil mit dem deutschen Überfall auf Polen vor 80 Jahren, am 1. September 1939, der Rassen- und Vernichtungskrieg im Osten begann, nicht erst 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion.

Q: Was ist das Besondere, was es rechtfertigt, der Opfer der Besatzungspolitik in Polen zu gedenken? 
A: In deutschen Vernichtungslagern auf polnischem Boden wurden Millionen europäischer Juden ermordet, davon allein drei Millionen polnischer Juden. Drei Millionen nichtjüdischer Polen verloren durch deutsche Verbrechen ihr Leben. Der überfallene polnische Staat wurde zum ersten Übungsfeld und Durchführungsort der Vernichtungspolitik im Osten.Die größten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager, die vor allem für die europäischen Juden errichtet wurden, entstanden im besetzten Polen – in der unmittelbaren Nachbarschaft zu Deutschland.

Q: Warum ein Denkmal?
A: Weil es für Polen als erstes Opfer des 2. WK in Berlin bisher keinen würdigen Gedenkort gibt. Die deutsche Besatzungspolitik in Polen ist bis heute eine Terra incognita, eine Leerstelle des Wissens und der Erinnerung. Ein Denkmal wäre ein eindeutiges Zeichen der Empathie für die Opfer der Polen und würde auch positiv auf das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen ausstrahlen.

Q: Gibt es so ein Denkmal in Berlin nicht schon?
A: Nein.Das „Denkmal des Polnischen Soldaten und Deutschen Antifaschisten“ im Berliner Volkspark Friedrichshain, das zu Zeiten der DDR 1972 errichtet wurde, verschweigt die deutsche Verantwortung für die polnischen Opfer gänzlich – es handelt sich ja um ein „Siegesdenkmal“. Außerdem stellt es den  zahlenmäßig marginalen deutschen Widerstand mit polnischem Widerstand auf eine Stufe – eine grobe Geschichtsverfälschung.

Q: Ist nicht genug gedacht worden in unserer Gedenk- und Erinnerungslandschaft? Ist das nicht alles schon bekannt?
A: Nein, leider nicht. Es geht um die Würdigung der Geschichte und der Rolle Polens, um den Respekt und die Anerkennung der Geschichte der polnischen Nation, die durch die deutsche Besatzungspolitik ein für alle Mal von der europäischen Landkarte verschwinden sollte. Das wird in Deutschland viel zu wenig bewusst gemacht.

Q: Für wen soll das Denkmal errichtet werden?
A: Wir Deutsche, die deutsche Bürgergesellschaft, bauen das Denkmal zum Gedenken an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung 1939-1945 als ständiges Erinnern an das Schicksal, das Polen durch Deutsche erfahren sollte und als ein Ort für alltägliche Erinnerung und gedenktägliche Bekundungen der Trauer.

Q: Ist das nicht etwas zu wenig, nur ein Denkmal hinzustellen? Ist es nicht viel wichtiger, Aufklärungsarbeit zu leisten und eine dauerhafte Dokumentation, Ausstellung zu entwickeln?
A: Das eine schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil sollte oder muss sogar eine Dokumentation und historische Aufklärung folgen. Das wird von den Initiatoren der Denkmalinitiative ausdrücklich gefordert.

Q: Kann es einen gemeinsamen Gedenkort (Dokumentationsstelle, Museum) für alle östliche Opfer der deutschen Vernichtungspolitik im Osten geben?
A: Ja, ein Gedenken der Opfer des NS-Vernichtungskriegs im Osten kann sinnvoll sein, wenn es deutlich macht, dass es ein Gedenkort aus der sogenannten Täterperspektive ist. Es richtete sich an die Nachfahren der Täter. Der Raum rassischer Neuordnung im Osten Europas war eine Erfindung der Nazis. Zudem ist daran zu denken, dass die stalinistische Sowjetunion ab 1939 bis zu dem „Unternehmen Barbarossa“ 1941 Verbündeter Hitlers bei der Zerstörung des polnischen Staats und bei der Verfolgung und Ermordung von Polen gewesen ist.

Q: Ist es sinnvoll, in der aktuellen politischen Situation über ein solches Denkmal zu diskutieren?
A: Ja, gerade in der heutigen politisch angespannten bilateralen Situation kann das „Polendenkmal“-Projekt eine unschätzbare Brückenfunktion übernehmen. Es handelt sich um das einzige – erinnerungspolitische Projekt, das sowohl in Deutschland als auch in Polen die gesellschaftlichen und politischen Kräfte, Parteien und Weltanschauungen vereinen kann.

Prof. Dr. Dieter Bingen, Deutsches Polen-Institut Darmstadt, 21.02.2019

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