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Die Argumente

Die zivilgesellschaftliche Initiative
Der Aufruf wurde von Persönlichkeiten aus der Mitte der deutschen Gesellschaft, aus Politik, Wissenschaft, Religionsgemeinschaften, Kultur u. a., unterschrieben. Seine Initiatoren sind der Präsident i. R. des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Florian Mausbach,   Bundestagspräsidentin a. D. Prof. Dr. Rita Süssmuth und Bundestagspräsident a. D. Dr. h. c. Wolfgang Thierse, der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors Prof. Dr. Andreas Nachama sowie der Direktor des Deutschen Polen-Instituts Prof. Dr. Dieter Bingen.

Zeichen setzen
In deutschen Vernichtungslagern auf polnischem Boden wurden Millionen europäischer Juden ermordet, davon allein drei Millionen polnischer Juden. Weitere drei Millionen nichtjüdischer Polen verloren ebenfalls durch deutsche Verbrechen ihr Leben. Polen trägt bis heute an dem Joch des organisierten Massenmords in den größten deutschen Vernichtungslagern, mehr als alle anderen besetzten Gebiete Europas. Das Land steht als erstes deutsches Weltkriegsopfer paradigmatisch für die rassistische NS-Politik. Dies spiegelt sich in Berlin nirgendwo an einem öffentlichen Ort des Gedenkens wider.

Mit einem Polen-Denkmal am Askanischen Platz in der politisch-symbolischen Mitte der deutschen Hauptstadt würde ein deutsch-polnisches Zeichen gesetzt, das Krieg, Vernichtung, Flucht, Vertreibung und Versöhnung in den untrennbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung stellt.

Anerkennen
Wir erkennen an, dass die deutsche Aggression und Vernichtungspolitik am 1. September 1939 in Polen begann – und nicht erst mit dem Überfall auf die Sowjetunion 1941. Damit sollte der 1000jährigen Geschichte unseres Nachbarn, geprägt von kultureller, religiöser und ethnischer Vielfalt, ein unwiderrufliches Ende bereitet werden. Dessen sind sich breite Schichten unserer Gesellschaft bis heute kaum bewusst. Die rassistische Politik gegenüber den nichtjüdischen Polen wird bis heute wenig wahrgenommen.

Erinnern
Dieser Aufruf ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger wissenschaftlicher von gegenseitigem Respekt getragener deutsch-polnischer historischer Debatten über die Ursachen und Folgen des Zweiten Weltkriegs und die Folgen des Nationalsozialismus für Deutsche und für Polen – ein Erfahrungsschatz, den wir in den Beziehungen mit Russland, der Ukraine und Belarus nicht haben. Die gemeinsame Erinnerungsarbeit hat eine Intensität erreicht, die wir uns auch im Verhältnis zu den anderen östlichen Nachbarn wünschen.

Warum kein gemeinsames Denkmal?
Die NS-„Lebensraumpolitik“ verdient ein Gedenken an deren Opfer, aber nicht in einem Denkmal, sondern in einer Dokumentationsstätte. Ein „Lebensraum-Denkmal“ würde eine Opfergemeinschaft symbolisieren, die es nie gab, und ungewollt ein historisches deutsches Stereotyp des slawischen Ostens bedienen. Wir Deutsche würden in eine fatale Denkfalle tappen. In Polen würde es auf einhellige Ablehnung stoßen. Ein Gedenken an der Opferperspektive vorbei ginge aber ins Leere.

Brücken bauen
Das Denkmal würde die polnischen Opfer würdigen und eine Brücke in unser Nachbarland bauen, ein sichtbares Zeichen, das mit breiter Zustimmung rechnen könnte. In einer politisch angespannten bilateralen Situation vermag es die meisten gesellschaftlichen und politischen Kräfte zu vereinen – sowohl in Deutschland, als auch in Polen. Vor allem aber würde die polnische Gesellschaft ein solches Denkmal unabhängig von politischen Orientierungen und Generationen intuitiv als richtiges und wichtiges Symbol deuten. Das Denkmal würde zu einem neuen, verbindenden Gedenkplatz in Berlin werden.

Prof. Dr. Dieter Bingen, Deutsches Polen-Institut Darmstadt, 26.02.2018

Kurzversion der Argumente  

Langversion der Argumente 

Polnischsprachige Fassung der Kurzversion der Argumente

Polnischsprachiger Artikel in der Gazeta Wyborcza online  inkl. Bild vom Empfang des sowjetischen  Außenministers Molotow durch  Reichsaußenminister  von Ribbentrop am Berliner Anhalter Bahnhof  am 12.11.1940. (Wyborcza.pl, 07.11.17 )