Polen in der Europäischen Union. Östlich vom Westen und westlich vom Osten?
Renata Mieńkowska-Norkiene, Universität Warschau
Zusammenfassung
Polen ist nicht mehr nur ein Land, das sich »zwischen Ost und West« bewegt. Es ist einer der wichtigsten
Akteure in der Europäischen Union geworden, der die europäische Integration real mitbestimmt. Polens
Stärke ergibt sich sowohl aus seiner dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung als auch aus seiner zunehmenden
Bedeutung für die europäische Sicherheit. Die Rolle des Landes in der EU hat sich seit 2023 grundlegend
verändert, als die europasketpischen Populisten der Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość
– PiS) die Regierungsverantwortung abgeben mussten. Allerdings übt das Amt des Staatspräsidenten
immer noch ein Vertreter ihrer politischen Linie aus. Die Folge ist, dass die polnische Europapolitik weiter
in Geiselhaft innenpolitischer Konflikte genommen wird und sie sich in einer paradoxen Lage befindet:
Obwohl Polen heute ein wichtiger, geradezu unverzichtbarer Partner der Europäischen Union ist, ist sein
Einfluss wegen innenpolitischer Streitigkeiten und des Euroskeptizismus seines Präsidenten geschwächt. Die
starke politische Polarisierung in Polen ändert nichts daran, dass die polnische Gesellschaft immer noch
deutlich proeuropäisch eingestellt ist. Das lässt hoffen, dass sich der proeuropäische Kurs Polens auch nach
den Parlamentswahlen 2027 fortsetzen wird.
Zur aktuellen Ausgabe
Die Polen-Analysen werden gemeinsam von dem Deutschen Polen-Institut,der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung herausgegeben.
Alle bisher erschienenen Ausgaben der Polen-Analysen können im Archiv eingesehen werden.