Halbjahresstipendien

Halbjahresstipendium des Deutschen Polen-Instituts

zum Abschluss einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit
(Dissertation, Habilitationsschrift)

Bewerbungsschluss für 2018: 31. Oktober 2017

Bewerbungsformular

Das Deutsche Polen-Institut Darmstadt ist ein international anerkanntes Zentrum für Forschung und Information über Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen im europäischen Kontext. Zu seinen Zielen gehört die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. In diesem Zusammenhang vergibt es – ermöglicht durch Mittel der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen – jährlich ein Halbjahresstipendium zum Abschluss einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit. Es soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kurz vor Abschluss ihrer Dissertation bzw. Habilitationsschrift die Gelegenheit geben, die letzte Phase ihrer Arbeit in der ungestörten und anregenden Atmosphäre der Bibliothek des Deutschen Polen-Instituts im Residenzschloss Darmstadt zu verbringen. 

Als Hilfsmittel stehen hier insbesondere zur Verfügung:

Die mehr als 65.000 Bände umfassende Spezialbibliothek des Instituts mit den Erwerbsschwerpunkten:

•  polnische Belletristik im Original und in deutscher Übersetzung
•  deutsch-polnische Beziehungen (Geschichte, Politik, Kultur u.a.)
•  polnische Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft u.a.
•  deutsche Belletristik in polnischer Übersetzung
•  deutsche Fachzeitschriften zu den Erwerbsschwerpunkten
•  polnische Fach- und Kulturzeitschriften

Aktuelle Neuerwerbungen sind direkt im Lesesaal zugänglich. Darüber hinaus ist an die Bibliothek ein umfangreiches Archiv mit folgenden Bestandteilen angegliedert:

• Pressearchiv (Schwerpunkt: deutsch-polnische Beziehungen, polnische Innen- und Außenpolitik)
• Autorenarchiv (Materialien zu polnischen Schriftstellern)
• Video- und Audioarchiv
• Dokumentation Polen-Information (Pressearchiv 1970-2000, Erweiterung bis 2010 geplant)
• Übersetzernachlässe 


Das Deutsche Polen-Institut schreibt für das Jahr 2018

e i n    H a l b j a h r e s s t i p e n d i u m

für eine Dauer von sechs Monaten aus. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2017. Das Stipendium kann bis zum 31. Dezember 2018 in Anspruch genommen werden.

Zielsetzung der Förderung
Mit der Vergabe von Stipendien werden wissenschaftliche Vorhaben aus dem Aufgabenbereich gefördert, der vom Deutschen Polen-Institut vertreten wird. Die Stipendien sollen den wissenschaftlichen Nachwuchs insbesondere aus Polen und Deutschland in die Lage versetzen, die reichhaltigen Bestände in den Sammlungen des Deutschen Polen-Instituts für ihre Forschungsarbeiten auszuwerten. 

Höhe des Stipendiums
Die Höhe des Stipendiums beträgt 1.200 Euro im Monat, zusätzlich wird eine Sachkostenpauschale von 1.000 Euro gewährt. Aus diesen Mitteln sind sämtliche Nebenkosten zu tragen (Reisekosten, Unterbringung, Versicherungen). Weitere finanzielle Ansprüche an das Deutsche Polen-Institut bestehen nicht. 

Voraussetzungen für die Bewerbung
Förderungsberechtigt sind promovierte Wissenschaftler/innen und Doktoranden/Doktorandinnen, die ihre wissenschaftliche Qualifikationsarbeit (Dissertation, Habilitationsschrift) innerhalb des Förderzeitraums abschließen sollten. Das Arbeitsvorhaben muss zum Arbeitsbereich des Instituts bzw. zu den Sammelschwerpunkten der Bibliothek und der Archive passen. Die Bewerberin/der Bewerber muss über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen und diese bei Bedarf schriftlich nachweisen. Eine parallele Unterstützung durch andere Förderer ist nicht zulässig. 

Gewährung der Stipendien
Über die Gewährung der Stipendien entscheidet der Direktor des DPI unter beratender Mitwirkung des Wissenschaftlichen Beirats. Zur Beurteilung der Stipendienanträge können Gutachter bestellt werden.

Bei der Entscheidung über die Gewährung der Stipendien sind die wissenschaftliche Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber, die Bedeutung ihres Vorhabens für die wissenschaftliche Forschung und der Anteil, zu dem die Bestände des DPI für das Forschungsvorhaben herangezogen werden müssen, zu berücksichtigen.

Gründe für die Vergabe oder Ablehnung werden nicht mitgeteilt. Ein Rechtsanspruch auf Gewährung eines Stipendiums besteht nicht. Bewerbungsunterlagen werden nur auf besonderen Wunsch zurückgeschickt.

Verpflichtungen der Stipendiatin/des Stipendiaten
Die Stipendiatin/der Stipendiat führt ihre Forschungen in Darmstadt durch. Das Stipendium wird in der Erwartung gewährt, dass die Stipendiatin/der Stipendiat den Gast-Status als Verpflichtung versteht, ihre/seine Arbeitskraft in Darmstadt auf das im Antrag beschriebene Forschungsvorhaben zu konzentrieren und an Veranstaltungen des DPI teilzunehmen. Unvermeidbare kurzfristige Abwesenheiten sind mit dem/der zuständigen Betreuer/-in am DPI abzustimmen. Außerdem wird erwartet, dass die Bewerberin/der Bewerber während des Aufenthalts das wissenschaftliche Vorhaben in einem Werkstattgespräch mit den Mitarbeitern des Instituts oder in einem öffentlichen Vortrag vorstellt.

Eine Unterbrechung oder Verschiebung des Aufenthalts ist nur in Ausnahmefällen mit Zustimmung des DPI möglich.

Das Stipendium wird auf Widerruf gewährt. Die Gewährung kann widerrufen werden, wenn sich herausstellt, dass die Angaben in den Antragsunterlagen unrichtig sind oder die eingegangenen Verpflichtungen nicht eingehalten werden. 

Am Ende ihres Aufenthalts muss die Stipendiatin/der Stipendiat einen Abschlussbericht vorlegen. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse der Arbeit veröffentlicht werden. Die Stipendiatin/der Stipendiat ist verpflichtet, die Förderung in der Publikation zu erwähnen und Belegexemplare oder Sonderdrucke ihrer in Darmstadt entstandenen Arbeiten dem DPI zu überlassen.

Verpflichtungen des Deutschen Polen-Instituts
Über die finanziellen Leistungen hinaus sorgt das Deutsche Polen-Institut für einen Arbeitsplatz und unterstützt die Stipendiatin/den Stipendiaten im Rahmen seiner Möglichkeiten auch bei anderen organisatorischen Fragen, insbesondere bei der Regelung der Wohnungsfrage. Das Deutsche Polen-Institut stellt im Rahmen der Möglichkeiten einen wissenschaftlichen Mitarbeiter des Hauses zur wissenschaftlichen Betreuung zur Verfügung.

Versicherung, Steuer
Die Versicherungen müssen von der Stipendiatin oder dem Stipendiaten selbst getragen werden. Für die Zeit des Stipendiums muss eine Krankenversicherung bestehen, die die Kosten in der Bundesrepublik Deutschland trägt. Die Beiträge müssen von der Stipendiatin oder dem Stipendiaten getragen werden. Ohne Versicherungsschutz darf das Stipendium nicht angetreten werden.

Stipendien sind nach Maßgabe der geltenden steuerrechtlichen Bestimmungen steuer- und sozialversicherungsfrei. Für die Klärung ihrer oder seiner eigenen steuerrechtlichen Verhältnisse ist die Stipendiatin oder der Stipendiat selbst verantwortlich. Eine verbindliche Entscheidung trifft in Zweifelsfällen das für die Stipendiatin oder den Stipendiaten zuständige Finanzamt.


Bewerbungsunterlagen
Bewerberinnen und Bewerber werden gebeten, auf dem Postweg folgende Unterlagen mit dem Stichwort „Halbjahresstipendium“ in doppelter Ausfertigung beim Deutschen Polen-Institut einzureichen:
• Ausgefülltes Formblatt (zu finden hier)
• Ausführliche Projektdarstellung (maximal 8 Seiten) beinhaltend:
Stand der Forschung zum Thema
Eigene Vorarbeiten
Methodische Grundlagen
Zeitplan
Lebenslauf
Liste Ihrer Publikationen

Zusätzlich sind mit getrennter Post an das DPI zu senden:
• Ein bis zwei Gutachten zum Projekt


Deutsches Polen-Institut
Leitung
„Forschungsstipendium“
Residenzschloss, Marktplatz 15
D-64283 Darmstadt

Ansprechpartner:
Dr. Peter Oliver Loew
Tel. 06151/420217
loew@dpi-da.de

Das Halbjahresstipendium wird gefördert von: 
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

2016

Aleksandra Wojnarowska (Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald)

Aleksandra Wojnarowska studierte Germanistik an den Universitäten Poznań, Bielefeld und Greifswald. In ihrer Studie Die Darstellung des Nichtdargestellten – Literatur und Naturforschung in Deutschland und Polen um 1800 macht sie es sich zur Aufgabe, anhand einer diskursanalytischen Auswertung von literarischen Texten zu untersuchen, wie um das Jahr 1800 herum ein spezifischer Transfer zwischen der Literatur und dem technischen Wissen errichtet wurde: wie drang Poetisches in naturwissenschaftliche Diskurse und wie technisches Wissen in die literarische Formgebung ein? Der Einfluss der Naturwissenschaften wird am Beispiel der im Jahre 1783 in Frankreich erfundenen Heißluft- und Wasserstoffballons untersucht. Die Untersuchung ist komparatistisch ausgerichtet, insofern in ihr diesbezügliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und Polen herausgearbeitet werden sollen.

2015


Anna Szumelda
(Leuphana Universität Lüneburg)

Anna Szumelda studierte Landschaftsökologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Von 2009 bis 2014 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „PoNa – Politiken der Naturgestaltung“ an der Leuphana Universität Lüneburg tätig. In ihrer Studie Der Beitrag kleiner landwirtschaftlicher Betriebe zu einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume. Eine Untersuchung in ausgewählten Regionen Polens untersucht sie anhand von empirischen Beispielen aus den Landkreisen Lubartów (Woiwodschaft Lubelskie) und Krosno (Woiwodschaft Podkarpackie), welche Lebenswirklichkeiten und Wirtschaftsweisen sich in den dort weit verbreiteten kleinen landwirtschaftlichen Betrieben finden. Der Untersuchungsschwerpunkt liegt dabei auf der Frage, ob kleine landwirtschaftliche Betriebe den durch die Industrialisierung und Kapitalisierung von Landwirtschaft verursachten negativen Auswirkungen auf Natur, Umwelt und die Gesellschaft ländlicher Räume entgegenwirken können, indem sie sich (tatsächlich oder vermeintlich) einem industriell-kapitalistischen Wachstumszwang und -drang widersetzen.

2014


Hanna Grzempa
(Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung, Braunschweig)

Hanna Grzempa studierte Geschichte an der Universität Danzig und anschließend Geschichte und Politikwissenschaften an der Leibniz-Universität Hannover. In den Jahren 2008-2014 war sie am Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung tätig. In Ihrer Studie untersucht sie am Beispiel von zwei postsozialistischen Gesellschaften – der polnischen und der (ost)deutschen – auf Grundlage von Lehrplänen und Geschichtsschulbüchern die Wirksamkeit von staatlichen Vorgaben zur Deutung der kontrovers diskutierten sozialistischen Vergangenheit. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, in welchem Verhältnis die Repräsentationen des Sozialismus zu den persönlichen Wahrnehmungen der Lehrerinnen und Lehrer stehen und wie sich Unterschiede in den öffentlichen und persönlichen Deutungen auf die Unterrichtspraxis auswirken. Den methodischen Ansatz gewinnt dieses Projekt aus der qualitativen Sozialforschung, indem es Inhaltsanalysen von Lehrplänen und Geschichtsschulbüchern, biographische Interviews und eine teilnehmende Beobachtung des Unterrichts vornimmt.

2013


Iwona Dadej
(Freie Universität Berlin)

Iwona Dadej studierte Geschichte, Kunstgeschichte sowie Ethnologie in Krakau und in Freiburg i. Br. In ihrer  Studie »Es ist besser, du liesest«: Akteurinnen der Frauenbildungsbewegung 1896-1933/39 und ihre transnationale Kontakte und Verflechtungen untersucht sie am Beispiel der deutschen und polnischen Frauenbewegung die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zwei national gedachten emanzipatorischen Bestrebungen und Kämpfe um Annerkennung der Frauen im universitären und wissenschaftlichen Bereich. Sie stellt sich dabei die Frage nach der Handlungsräumen und Handlungsmöglichkeiten der Akteurinnen und Organisationen, die sich für die Zulassung der Frauen an deutschen und polnischen Universitäten engagierten. Wie sahen diese in dem deutschen kulturellen und gesellschaftlichen Kontext und wie im polnischen? Ferner werden zwei Organisationen der professionalisierten Frauenbewegung, namentlich die Akademikerinnenvereine in Deutschland (Deutscher Akademikerinnenbund) sowie in Polen (Polskie Stowarzyszenie Kobiet z Wyższym Wykształceniem) und deren Auswirkung auf die Frauenbewegung und die Wissenschaft untersucht.

2012


Monika Heinemann  (Ludwigs-Maximilians-Universität München). 

Monika Heinemann studierte Osteuropäische Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftlehre in Bamberg, St. Petersburg und München. Von 2007 bis 2011 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Collegium Carolinum in München. In ihrer Studie „Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in historischen Ausstellungen – Die Republik Polen 1990–2010“ untersucht sie, wie sich die Darstellungen bzw. Deutungen des Zweiten Weltkriegs als dem zentralen Bezugspunkt des nationalen historischen Gedächtnisses in Geschichtsmuseen der Republik Polen seit der Zäsur von 1989 entwickelt haben. Gegenstände der Untersuchung sind regionale und städtische Geschichtsmuseen sowie Einrichtungen, die eine nationale Bedeutung für sich beanspruchen. Analysiert werden sowohl die Konzeptionen und Inhalte von Dauerausstellungen als auch die in ihnen zum Einsatz kommenden Präsentationstechniken. Ziel des Projekts ist es, Aufschlüsse zu gewinnen über die Wandlungen und Kontinuitäten nationaler Selbstbilder, wie sie in Museen (re-)präsentiert und generiert werden. 

2011


Christian Schmidt-Rost  (Freie Universität Berlin). 

Christian Schmidt-Rost studierte Neuere Geschichte und Volkswirtschaft in Berlin, Manchester und Posen. In seiner Studie "Kalter Krieg und heiße Rhythmen – Jazz in der SBZ/DDR und Polen" untersucht er den Transfer von Jazzmusik und des mit ihr verbundenen Lebensstils aus den USA in die SBZ/DDR und nach Polen. Im Zentrum der Untersuchung stehen folgende Fragen: Welche Medien und Kontaktnetze ermöglichten den Zugang zu Jazz? Wer eignete sich die Musik und Lebensstil auf welche Art und Weise an? Wie und warum wurden diese in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften im Kontext des Kalten Krieges politisiert? Und schließlich, wie gelang es den Jazzern um die Musik einen transnationalen, die Blockgrenze übergreifenden Kommunikationsraum zu etablieren, innerhalb dessen polnische Jazzer wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Jazzszene in Westeuropa nahmen?