Samstag, 26. Juni 2010 um 21:30 Uhr
Ostatni taki ojciec / Der letzte Vater seiner Art
Ein Theaterstück der Scena InVitro Lublin im Rahmen des Festivals Neue Stücke aus Europa /New Plays from Europe
Regie: £ukasz Witt-Micha³owski
Autor: Artur Pa³yga
Musik: Max Kowalski
Bühnenbild: £ukasz Witt-Micha³owski
Visualisierung: Marek Krupa, Piotr Lu¿yñski
www.newplays.deDas Stück wird auch am So., 27. Juni 2010 um 21:30 Uhr am selben Ort gespielt.
Ort: Staatstheater Wiesbaden - Malersaal
Unsere Väter waren die letzten Väter. Nach ihnen gibt es nur Stille und Lebensgefährten der Mutter. Vati. Papa. Vater sagt niemand mehr. Es sei denn, halbwitzig, halblaut und schon bedeutungslos.
Die Hölle der Väter ist bereits voll. Der Rauch steigt unseren Vätern in die Augen. Sie tanzen, wissend, dass kein Platz mehr da ist. Dass alles nur noch von dieser letzten Körperschicht bedeckt wird. Hinter ihnen schließt sich die Hölle. Was uns betrifft, gibt es keine Illusionen. Wir sind anders. Voll Glaube und Hoffnung studieren wir Zeitungen. Informationen über die Gene. Im genetischen Fingerabdruck suchen wir die Erlösung. Die Hoffnung auf den Frühling der Väter, der nicht kommen wird.
Im Mittelpunkt des Stückes steht die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. Der Rhythmus der Geschichte wird durch des Vaters Terrorakte gegenüber seiner Familie markiert; man kann die „dicke Luft“ in ihrem Zuhause spüren. Das Verhalten des Vaters verursacht die Krankheit des Sohnes, die wiederum den Schlaganfall des Vaters zur Folge hat – wodurch sich die häusliche Situation dramatisch ändert. Einer von beiden muss unterliegen. Ähnlich der Beziehung zwischen Franz und Hermann Kafka, gibt es keinen Raum für zwei solch starke Persönlichkeiten. Die Geschichte wird vom Sohn in einer Reihe von Episoden seines Lebens – in einem symbolischen Raum – erzählt.
Artur Pa³yga ist 1971 in Hrubieszów geboren, studierte Polnisch und Literatur in Krakau und promovierte dort in letzterem Fach. Er nahm u.a. an Tadeusz S³obodzianeks Drama Laboratorium teil, aus dem sein Text „Der Jude“ (2008) hervorging. Zuvor entstanden u.a. „Kaugummi“, ein Musical-Libretto (2005) und „Theodor Sixts Letzter Wille“ (2007). In „Nichts was menschlich ist“, Uraufführung 2008 in Lublin, verbindet das übergreifende Thema Kriminalität die drei Teile. Sie beruhen auf Berichten von Zeugen aus Kielce, von Häftlingen aus Au-schwitz und Fragmenten aus Jan Tomasz Gross’ Buch „Furcht“. Es folgten u.a. „Top Dog. Koszalin Kulturkampf“ (2008), „Touristen“ (2009), „Alle Arten von Tod“ (2009), ein Stück, das auf Hermann Hesses „Siddartha“ beruht und das den Hauptpreis beim Festival zeitgenössischer Dramen in Danzig errang. Seine jüngsten Werke fürs Theater sind „V(F) ICD-10-Transformationen“, „Wir haben viel durchgemacht, viel steht uns bevor“ (beide 2010). Für InVitro schrieb er „Ich fürchte dich nicht mehr, Othello“.
Dr. Andrzej Kaluza
Deutsches Polen-Institut
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