Mittwoch, 23. Mai 2012, um 20:00 Uhr
Lesung mit Sylwia Chutnik
Moderation: Dr. Andrzej Kaluza / Manfred Mack
Mehr zum BuchIn Zusammenarebeit mit dem Polnischen Institut Düsseldorf.
Welche Erinnerungen hat eine Frau an den Krieg? Wie ist es, wenn im Alter die Kraft nachlässt und das Leben zum Kampf wird? Was macht ein dreizehnjähriges Mädchen mit seiner Wut gegen Konsumterror und Rollenklischees? Sylwia Chutnik nimmt kein Blatt vor den Mund. In ihrem furiosen Roman skizziert sie das Bild einer rücksichtslosen Gesellschaft, das aktueller nicht sein könnte. Und sie schreibt eine rasante weibliche Gegengeschichte.
Jedes Kapitel von „Weibskram“ beginnt mit einer „Panoramafotografie”, in der namenlose weibliche Typen im heutigen Warschau vorgestellt werden. Danach geht die Autorin zur „Nahaufnahme” über und konzentriert sich auf eine einzige ausgewählte Repräsentantin der von ihr unterschiedenen „Gattungen”. Die vier Hauptfiguren stehen für verschiedene Generationen (eine von ihnen ist ein feminisierter Mann), die im selben Haus leben. Ihre Einzelwelten fügen sich zu einer Wirklichkeit zusammen. Wenn man diese als „Wirklichkeit der Opaczewska-Straße” in Warschau deutet, kann man – unter Verwendung der biologischen Kriterien Sylwia Chutniks – von dem Haus als einem Ökosystem sprechen und von seinen Bewohnern als Repräsentanten einer autochthonen Gattung, die über die Beziehungen zur Außenwelt entscheidet.
Die in dem Buch beschriebenen Schicksale sind dabei eigenartig rührend, auch wenn Chutnik sie in einer tragikomischen Tonlage beschreibt. Die Distanz, mit der sie ihnen begegnet und die für eine Dokumentarbiologin erforderlich ist, verdeckt ihre Empfindsamkeit nicht. Sie ist es – neben der durchdachten Konzeption des Erzählbands und der Fähigkeit, sowohl Handlungsfäden zu spinnen wie auch glaubwürdige Porträts sozialer Gruppen oder Individuen zu konstruieren –, die die junge Autorin auszeichnet.
(Nach einem Werbetext des Verlages.)
Sylwia Chutnik (geb. 1979) Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Warschauer Aktivistin und „radikale Hausfrau“, Gründerin und Leiterin der Stiftung „MaMa“, die sich für die Rechte der Mütter in Polen einsetzt. Für ihren Debütroman „Weibskram“ (Kieszonkowy atlas kobiet) erhielt sie 2008 den Preis der Wochenzeitschrift Polityka „Paszport Polityki“; 2009 wurde sie für den renommierten polnischen Literaturpreis „NIKE“ nominiert.
Buchempfehlung:
Sylwia Chutnik: Weibskram. Übersetzt von Antje Ritter-Jasinska, Vliegen Verlag 2012, 192 Seiten
ISBN-10: 3981339223; ISBN-13: 978-3981339222; 12,90 Euro
Foto rechts: Rafa³ Leszczyñski