Deutsches Polen-Institut
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Fragen nach einer gemeinsamen europäischen Ostpolitik (Belarus, Russland, Ukraine). Deutsche und polnische Beiträge in der Diskussion

Internationale DPI-Konferenz in Brüssel zur Ostpolitik der EU

Das Deutsche Polen-Institut und das Warschauer Zentrum für Oststudien, der größte polnische Osteuropa-Think Tank, mit Direktor Jacek Cichocki luden am 8. Juni 2006 zu einer eintägigen internationalen Konferenz in der Vertretung des Landes Hessen bei der Europäischen Union in Brüssel ein, die sich mit den aktuellen und strategischen Herausforderungen einer gemeinsamen Politik gegenüber Russland, der Ukraine und Belarus beschäftigte. Begrüßt wurden die Konferenzteilnehmer vom Hessischen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Volker Hoff, und von der Präsidentin des DPI, Prof. Dr. Rita Süssmuth.

Unter dem Tagungsthema »Fragen nach einer gemeinsamen europäischen Ostpolitik (Belarus, Russland, Ukraine). Deutsche und polnische Beiträge in der Diskussion« diskutierten hohe Beamte aus dem Rat und aus der Kommission der Europäischen Union sowie EU-Parlamentarier mit Experten aus Deutschland, Polen und weiteren EU-Ländern sowie Vertretern des Auswärtigen Amts, des polnischen Außenministeriums und der Warschauer Präsidialkanzlei über ein Thema, das nach den jüngsten Entwicklungen in der Ukraine und in Belarus noch dringlicher nach Antworten aus Brüssel ruft. Die Expertise und die politischen Überlegungen aus Deutschland und Polen, zwei Ländern, die aufgrund ihrer historischen Erfahrungen heute ihren Beitrag zu einer effektiven EU-Politik gegenüber den östlichen Nachbarn leisten möchten, gaben die ersten Impulse für eine Diskussion, die in den kommenden Monaten vor dem Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar 2007 weiter an Intensität gewinnen wird.

Die Brüsseler Konferenz war bereits die dritte internationale Tagung, die das DPI zur europäischen Ostpolitik durchführte. Vorangegangen waren eine Konferenz im September 2000 in Darmstadt und eine Konferenz in der EU-Vertretung Hessens im Juni 2001. Die positiven Erfahrungen mit Darmstadt 2000 und Brüssel 2001 ließen darauf schließen, dass es sich lohnt, wenn »Brüssel«, »Warschau« und »Berlin« ihre Einschätzungen über die Zukunft Osteuropas und über die östliche Dimension der EU-Außenpolitik gemeinsam diskutieren.

Die aktuellen Entwicklungen in Osteuropa verlangen mehr denn je eine gemeinsame, konsistente, nach den Adressaten differenzierende und offene Osteuropapolitik. Die im Jahr 2004 erfolgte Ausweitung der EU nach Ostmitteleuropa sollte weder nach den Vorstellungen »Brüssels« noch nach denen der deutschen und der polnischen Politik zu einer Abschottung zwischen Polen und seinen östlichen Nachbarn, vor allem der Ukraine, Belarus und Russland, beitragen. In der jüngsten Vergangenheit hat die Ukraine Europa aufgerüttelt. Ein Land, das in den 1990er Jahren als »Demokratur « angesehen wurde, demonstrierte in den letzten Monaten des Jahres 2004 seinen entschiedenen Willen zur »Rückkehr nach Europa «. Die Entwicklung seitdem zeigt aber, wie komplex und schwer durchschaubar die politischen Prozesse in der Ukraine weiterhin verlaufen. Im diktatorisch regierten Belarus fragen die demokratischen Kräfte nach der Solidarität Europas. Ein Faktor eigener Größe und Bedeutung ist Russland, das einer gesonderten Strategie der EU bedarf. Dabei stellt Putins Russland zugleich einen Faktor dar, der seine eigenen Interessen in der Ukraine und in Belarus verteidigt. Der Interessenkonflikt mit der EU in der Region ist offensichtlich.

DPI und OSW lag daran, zu den Fragen der östlichen Nachbarschaftspolitik interessante, operativ verwertbare Gedanken aus deutschen und polnischen policy-orientierten Forschungszentren in die EU-Exekutive und –Legislative zu tragen. Im Verlauf der Konferenz stellte sich heraus, dass die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situationsanalyse zu den infrage stehenden Ländern weitgehend unstrittig ist. Was aber die Ziele und Instrumente einer gemeinsamen Ostpolitik der EU betrifft, die nach den Adressaten Kiew, Minsk und Moskau differenziert, so bleibt der Gesprächsbedarf nach wie vor groß. Der Verlauf der Diskussionen im Anschluss an die Einleitungsreferate konnte als Aufforderung verstanden werden, die EU-interne Diskussion weiter zu verdichten. Das Statement des Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, Elmar Brok, machte deutlich, welche »Hausaufgaben « die EU noch intern zu bewältigen hat (Stichwort EU-Verfassung), bevor sie, innerlich ausreichend gefestigt, differenzierte Angebote an die östlichen Nachbarn richten kann. Wie dringlich aber eine gemeinsame europäische Position hier und jetzt ist, demonstrierte ein weiterer Höhepunkt der eintägigen Konferenz. Am Abend hielt der junge Policy-Experte Dr. Vitali Silitski aus Minsk, derzeit Visiting Scholar am »Center on Democracy, Development, and the Rule of Law« an der Stanford University, einen Vortrag, zu dem ein größerer Kreis von Gästen eingeladen war. Er appellierte in einem sehr persönlichen Statement an die Nachbarn in Europa, Solidarität mit den demokratischen Kräften in Belarus zu zeigen.

Der Verlauf der Konferenz, der offensichtlich große Aussprachebedarf und das große Interesse der Vertreter des Rats und der Kommission der EU und aus dem Europäischen Parlament lassen es angeraten erscheinen, über das weitere Engagement des DPI für dieses Thema nachzudenken.


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