 |
Rezensionen zu G³owiñski: Mythen in Verkleidung
"In seinen Essays fragt Micha³ G³owiñski, wie in der europäischen Literatur der Neuzeit die Erzählungen von Dionysos, Narziss, Prometheus und Minotaurus interpretiert wurden, um die Gegenwart zu deuten. Denn die antiken Mythen bergen für G³owiñski keine überzeitlichen Wahrheiten, sie unterliegen Konjunkturen."
[Andreas Mix] in: Berliner Zeitung vom 21. November 2005
"Eine Stoffgeschichte hat G³owiñski nicht verfaßt. Elegant und souverän führt er durch die Literaturgeschichte. Keinen Moment bei der Lektüre ist G³owiñskis Schreibsituation außer Acht zu lassen, die Parteizensur. Aber er demonstriert, wie leichthändig von mächtig anmutenden Dingen gesprochen werden kann, auf daß auch die Allgemeinheit von Erkenntnissen kluger Textlektüre zu lernen vermag."
Alexander Kluy, in: Die Welt, 11. Februar 2006
"(...) der erste wissenschaftliche Glowinski, der jetzt auf Deutsch erschienen ist, ist für ein weiteres Publikum interessant. Der gesellschaftliche Hintergrund schwingt in jedem der einzelnen Essays aus verschiedenen Jahrzehnten mit. Alle handeln von Verwandlungen von Mythen.
Der vielleicht interessanteste Aufsatz ist dabei jener zur unbekanntesten der untersuchten „Urerzählungen“: die über Marcholt, jenen hässlichen Narren, der König Salomo im Alten Testament einen schlagfertigen Wortzweikampf liefert. In diesem 1974 geschriebenen Aufsatz zeichnet Glowinski als wichtigste Verwandlung des Marcholt jenen Moment nach, in dem der Narr zum Herren wird. Der aufrührerische Mann aus dem Volk wechselt, einmal an der Macht, sofort die Seite. Er wird zum zynischen Herrscher, gerade weil er die Mechanismen der Unterdrückung am eigenen Leib erfahren hat. Im Westen aufgegriffen, hätte dieser Mythos systemkonform gewirkt. Auf ehemalige Volksrevolutionäre angewandt, entwickelt er einige Sprengkraft."
Hans-Peter Kunisch, in: Süddeutsche Zeitung vom 4. April 2006
|
|
|
|