Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
wielce szanowny Panie Prezydencie,
sehr geehrter Ministerpräsident Koch
sehr geehrte Herr Staatsminister Zöllner,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Benz,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des europäischen Parlaments,
des Deutschen Bundestags, der Landtage und der Stadt Darmstadt
Exzellenzen, meine Damen und Herren,
bei der Vorbereitung meines heutigen, den Reigen der Begrüßungen und
Festansprachen abschließenden Redebeitrags habe ich mir noch einmal
angeschaut, was ich der verehrten Festversammlung vor fünf Jahren
anlässlich der Festveranstaltung „20 Jahre Deutsches Polen-Institut“
vorgetragen habe. Dabei überlegte ich mir: Könntest Du diese Rede heute
noch einmal so halten? – und stellte fest: Gott sei Dank und Gott sei’s
geklagt: nein – die Zeiten haben sich doch ganz spürbar geändert.
Nicht dem lieben Gott, aber den verehrten Vorrednern sei herzlich
gedankt für die Worte der Wertschätzung gerade auch für das Neue, das
ich gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den
zurückliegenden Jahren angepackt habe – immer mit der vollen
Unterstützung und Mithilfe des Präsidiums und des Kuratoriums des
Instituts. Es war ein Experiment, die Pfade des Altvertrauten und
Geschützten zu verlassen. Die große Anerkennung, die solidarisch
kritische Begleitung, die wir in den zurückliegenden Jahren und der
Zuspruch, den wir noch in der letzten Stunde gerade auch von Ihnen,
verehrter Herr Bundespräsident, erfahren haben, ermutigt uns, und die
raue Umgebung zwingt uns, weiter neue Wege zu gehen, um die
Veränderungen in der Vorstellungswelt und in den Haltungen zu
beschleunigen, die sich viel langsamer wandeln als die Wirklichkeit.
Sie, sehr verehrter Herr Präsident Kwa¶niewski, besuchen heute das
Deutsche Polen-Institut und Darmstadt zum dritten Mal in Ihrer
Amtszeit. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen, wir wissen diese hohe
Anerkennung für die Arbeit des Instituts gerade auch in den
allerletzten Jahren zu schätzen. Es ist ein Ausdruck des Respekts für
ein Bemühen, das wir uns in allen Verästelungen unserer beiden
Gesellschaften verwurzelt wünschen, genau wissend, dass es immer viel
zu wenige einzuschätzen wissen. Sie, Herr Präsident, symbolisieren aber
auch eine Zuverlässigkeit und Unermüdlichkeit, derer die
deutsch-polnischen Beziehungen heute mehr denn je in den
zurückliegenden 15 Jahren nach dem Mauerfall bedürfen. Sie sprachen im
Februar in Berlin von dem Vermächtnis, das Sie ihrem Nachfolger
aufgeben, nämlich das Verhältnis zu den Deutschen als Schlüssel zu
einer erfolgreichen Politik Polens in Europa zu verstehen.
Zuverlässigkeit und Vertrauen gehören zusammen. Ich darf Ihnen kurz vor
dem Ende Ihrer Amtszeit auch ganz persönlich und öffentlich von
Darmstadt aus danken für Ihr Engagement.
Die Beschäftigung mit diesem Verhältnis sollte keiner Marotte von
Germanophilen oder Polonophilen entspringen, sondern einer
Staatsräson, die versteht, dass dieses Verhältnis der Schlüssel zum
dauerhaften Frieden in der Mitte Europas war, ist und bleibt. Daran zu
arbeiten verstehen immer noch zu Wenige als ihre Aufgabe, während
zugleich an den Rändern schon wieder gezündelt wird, weil die Erfahrung
des Krieges schon 60 Jahre zurückliegt und die Nachgeborenen glauben
austesten zu dürfen, was derart mühsam, aber erfolgreich aufgebaute
Beziehungen alles so aushalten.
Einen ganz besonderen Dank gilt es heute einem weiteren polnischen
Gast entgegenzubringen, nämlich der Wojewodschaft
Großpolen-Wielkopolska, der Partnerregion des Landes Hessen, in Person
von Herrn Marschall Miko³ajczyk. Als besonders großherziges und
voluminöses Geburtstagsgeschenk für das Deutsche Polen-Institut hat
sich Wielkopolska das international renommierte Polnische Tanzheater
–Posener Ballett augedacht und mitgebracht. Wir freuen uns auf die
Vorstellung.
Vor allem die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz haben in den
zurückliegenden 25 Jahren, sehr verehrter Herr Ministerpräsident Koch
und sehr geehrter Herr Staatsminister Zöllner, immer wieder unter
Beweis gestellt, dass die Zuweisung an das DPI in Darmstadt als eine
Investition gesehen wird, die gerade auch in schwierigen Zeiten als ein
Leuchtturm in Deutschland und nach Polen wirken soll, ein Leuchtturm,
der um so stärker leuchten und in seinen Fundamenten stabil gehalten
werden muss, wie die See ungestümer wird und der Nebel dichter. Die
Wogen nagen stärker als vor kurzem noch und nachhaltiger als von vielen
von uns erwartet an den Fundamenten.
Ein besonderes Wort des Dankes geht heute, am vorletzten Tag seiner
Amtszeit als Kuratoriumsvorsitzender, die verknüpft ist mit dem Amt des
Oberbürgermeisters dieser Stadt, an Herrn Benz. Lieber Herr Benz, wir
wissen es hoch zu schätzen, das wir der immerwährenden Unterstützung
der Stadt Darmstadt sicher sein können, der Sie uns auch heute wieder
versichert haben.
Sie bemerken, meine verehrten Damen und Herren, wie schwer es mir
fällt, anlässlich einer Feierstunde zu einem Punkt zu kommen und welche
Bilder aus der naturalistischen Malerei des 19. Jahrhunderts,
norddeutsche Schule, ich bemühe, um anzudeuten, was mich außer unserem
Arbeitsprogramm beschäftigt.
Ich könnte es auch mit einer Sentenz aus dem Tagebuch des
Philosophen Henryk Elzenberg "Kummer mit dem Sein", Band 5 unserer
Reihe "Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek" im Suhrkamp Verlag,
umschreiben: "Als Ziel muß uns die Vollkommenheit vorschweben, denn nur
sie ist imstande, uns mit Eifer zu erfüllen, und ohne Eifer erreicht
man in der moralischen Sphäre nichts. Ein solches Ziel jedoch nimmt
sich recht merkwürdig aus, wenn man es neben das niedrige Niveau und
die ständigen Stürze des täglichen Lebens hält. Es ist daher gut, es
eher als kollektives Ziel aller Strebenden zu betrachten denn als unser
persönliches Ziel, das sich von denen der anderen
unterscheidet."
Um bei meinem norddeutschen Genrebild zu bleiben: In der rauen See
sind mehr an Bord des klaren Schiffs als vor Jahren noch. Das heißt der
Kreis der Partner und Freunde des Institutsschiffs ist größer geworden,
die Netze stärker, das Institut noch bekannter, in Darmstadt und in
Deutschland. Natürlich könnte alles noch besser sein, und auch daran
arbeiten wir. Wir werden das Ziel nicht aus den Augen verlieren: Ob bei
der Verbreitung des geschriebenen Worts, ob bei der Auswahl der Themen
für wissenschaftliche Tagungen, internationale Konferenzen und
Workshops, ob bei dem Angebot eines öffentlichen Kulturprogramms mit
Literatur, Musik, Ausstellungen und vielem mehr – das Deutsche
Polen-Institut stellt sich dem Anspruch, initiativ und vorausdenkend zu
handeln. Mit Ihrer Unterstützung, verehrte Festtagsgäste, schaffen wir
es. Sie alle, meine Damen und Herren, haben Ihre großen und kleinen
Einwirkungsmöglichkeiten, wenn Sie nach draußen gehen.
Bevor Sie aber das Staatstheater verlassen, um gut über uns zu reden
und Gutes für das DPI zu tun, wollen Sie sich verführen lassen von der
bezaubernden Joanna M±droszkiewicz, die uns mit ihrer Violine Johann
Sebastian Bach und Henryk Wieniawski zu Gehör bringen wird und mit
ihrer Musik uns Deutschen und Polen und Europäern sagt, was uns
verbindet – unmittelbarer als alle anderen Künste.