Deutsches Polen-Institut
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Prof. Dr. Dieter Bingen

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
wielce szanowny Panie Prezydencie,
sehr geehrter Ministerpräsident Koch
sehr geehrte Herr Staatsminister Zöllner,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Benz,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags, der Landtage und der Stadt Darmstadt
Exzellenzen, meine Damen und Herren,

bei der Vorbereitung meines heutigen, den Reigen der Begrüßungen und Festansprachen abschließenden Redebeitrags habe ich mir noch einmal angeschaut, was ich der verehrten Festversammlung vor fünf Jahren anlässlich der Festveranstaltung „20 Jahre Deutsches Polen-Institut“ vorgetragen habe. Dabei überlegte ich mir: Könntest Du diese Rede heute noch einmal so halten? – und stellte fest: Gott sei Dank und Gott sei’s geklagt: nein – die Zeiten haben sich doch ganz spürbar geändert. 

Nicht dem lieben Gott, aber den verehrten Vorrednern sei herzlich gedankt für die Worte der Wertschätzung gerade auch für das Neue, das ich gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zurückliegenden Jahren angepackt habe – immer mit der vollen Unterstützung und Mithilfe des Präsidiums und des Kuratoriums des Instituts. Es war ein Experiment, die Pfade des Altvertrauten und Geschützten zu verlassen. Die große Anerkennung, die solidarisch kritische Begleitung, die wir in den zurückliegenden Jahren und der Zuspruch, den wir noch in der letzten Stunde gerade auch von Ihnen, verehrter Herr Bundespräsident, erfahren haben, ermutigt uns, und die raue Umgebung zwingt uns, weiter neue Wege zu gehen, um die Veränderungen in der Vorstellungswelt und in den Haltungen zu beschleunigen, die sich viel langsamer wandeln als die Wirklichkeit.

Sie, sehr verehrter Herr Präsident Kwa¶niewski, besuchen heute das Deutsche Polen-Institut und Darmstadt zum dritten Mal in Ihrer Amtszeit. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen, wir wissen diese hohe Anerkennung für die Arbeit des Instituts gerade auch in den allerletzten Jahren zu schätzen. Es ist ein Ausdruck des Respekts für ein Bemühen, das wir uns in allen Verästelungen unserer beiden Gesellschaften verwurzelt wünschen, genau wissend, dass es immer viel zu wenige einzuschätzen wissen. Sie, Herr Präsident, symbolisieren aber auch eine Zuverlässigkeit und Unermüdlichkeit, derer die deutsch-polnischen Beziehungen heute mehr denn je in den zurückliegenden 15 Jahren nach dem Mauerfall bedürfen. Sie sprachen im Februar in Berlin von dem Vermächtnis, das Sie ihrem Nachfolger aufgeben, nämlich das Verhältnis zu den Deutschen als Schlüssel zu einer erfolgreichen Politik Polens in Europa zu verstehen. Zuverlässigkeit und Vertrauen gehören zusammen. Ich darf Ihnen kurz vor dem Ende Ihrer Amtszeit auch ganz persönlich und öffentlich von Darmstadt aus danken für Ihr Engagement.

Die Beschäftigung mit diesem Verhältnis sollte keiner Marotte von Germanophilen oder Polonophilen entspringen, sondern einer Staatsräson, die versteht, dass dieses Verhältnis der Schlüssel zum dauerhaften Frieden in der Mitte Europas war, ist und bleibt. Daran zu arbeiten verstehen immer noch zu Wenige als ihre Aufgabe, während zugleich an den Rändern schon wieder gezündelt wird, weil die Erfahrung des Krieges schon 60 Jahre zurückliegt und die Nachgeborenen glauben austesten zu dürfen, was derart mühsam, aber erfolgreich aufgebaute Beziehungen alles so aushalten.

Einen ganz besonderen Dank gilt es heute einem weiteren polnischen Gast entgegenzubringen, nämlich der Wojewodschaft Großpolen-Wielkopolska, der Partnerregion des Landes Hessen, in Person von Herrn Marschall Miko³ajczyk. Als besonders großherziges und voluminöses Geburtstagsgeschenk für das Deutsche Polen-Institut hat sich Wielkopolska das international renommierte Polnische Tanzheater –Posener Ballett augedacht und mitgebracht. Wir freuen uns auf die Vorstellung.  

Vor allem die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz haben in den zurückliegenden 25 Jahren, sehr verehrter Herr Ministerpräsident Koch und sehr geehrter Herr Staatsminister Zöllner, immer wieder unter Beweis gestellt, dass die Zuweisung an das DPI in Darmstadt als eine Investition gesehen wird, die gerade auch in schwierigen Zeiten als ein Leuchtturm in Deutschland und nach Polen wirken soll, ein Leuchtturm, der um so stärker leuchten und in seinen Fundamenten stabil gehalten werden muss, wie die See ungestümer wird und der Nebel dichter. Die Wogen nagen stärker als vor kurzem noch und nachhaltiger als von vielen von uns erwartet an den Fundamenten.

Ein besonderes Wort des Dankes geht heute, am vorletzten Tag seiner Amtszeit als Kuratoriumsvorsitzender, die verknüpft ist mit dem Amt des Oberbürgermeisters dieser Stadt, an Herrn Benz. Lieber Herr Benz, wir wissen es hoch zu schätzen, das wir der immerwährenden Unterstützung der Stadt Darmstadt sicher sein können, der Sie uns auch heute wieder versichert haben.    

Sie bemerken, meine verehrten Damen und Herren, wie schwer es mir fällt, anlässlich einer Feierstunde zu einem Punkt zu kommen und welche Bilder aus der naturalistischen Malerei des 19. Jahrhunderts, norddeutsche Schule, ich bemühe, um anzudeuten, was mich außer unserem Arbeitsprogramm beschäftigt.   

Ich könnte es auch mit einer Sentenz aus dem Tagebuch des Philosophen Henryk Elzenberg "Kummer mit dem Sein", Band 5 unserer Reihe "Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek" im Suhrkamp Verlag, umschreiben: "Als Ziel muß uns die Vollkommenheit vorschweben, denn nur sie ist imstande, uns mit Eifer zu erfüllen, und ohne Eifer erreicht man in der moralischen Sphäre nichts. Ein solches Ziel jedoch nimmt sich recht merkwürdig aus, wenn man es neben das niedrige Niveau und die ständigen Stürze des täglichen Lebens hält. Es ist daher gut, es eher als kollektives Ziel aller Strebenden zu betrachten denn als unser persönliches Ziel, das sich von denen der anderen unterscheidet."    

Um bei meinem norddeutschen Genrebild zu bleiben: In der rauen See sind mehr an Bord des klaren Schiffs als vor Jahren noch. Das heißt der Kreis der Partner und Freunde des Institutsschiffs ist größer geworden, die Netze stärker, das Institut noch bekannter, in Darmstadt und in Deutschland. Natürlich könnte alles noch besser sein, und auch daran arbeiten wir. Wir werden das Ziel nicht aus den Augen verlieren: Ob bei der Verbreitung des geschriebenen Worts, ob bei der Auswahl der Themen für wissenschaftliche Tagungen, internationale Konferenzen und Workshops, ob bei dem Angebot eines öffentlichen Kulturprogramms mit Literatur, Musik, Ausstellungen und vielem mehr – das Deutsche Polen-Institut stellt sich dem Anspruch, initiativ und vorausdenkend zu handeln. Mit Ihrer Unterstützung, verehrte Festtagsgäste, schaffen wir es. Sie alle, meine Damen und Herren, haben Ihre großen und kleinen Einwirkungsmöglichkeiten, wenn Sie nach draußen gehen.

Bevor Sie aber das Staatstheater verlassen, um gut über uns zu reden und Gutes für das DPI zu tun, wollen Sie sich verführen lassen von der bezaubernden Joanna M±droszkiewicz, die uns mit ihrer Violine Johann Sebastian Bach und Henryk Wieniawski zu Gehör bringen wird und mit ihrer Musik uns Deutschen und Polen und Europäern sagt, was uns verbindet – unmittelbarer als alle anderen Künste.
 

 
 
   
  Foto: Roman Größer


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